Die Voglersmühle

Standort der ältesten Schneidemühle im Schortetal

1596: Frantz Salfelder /Hans Sturm – Schneidemühle
Die Ilmenauer Bürger Frantz Salfelder und Hans Sturm erhalten von Albrecht, Graf zu Schwarzburg und Honstein die Erlaubnis, am Zusammenfluß von Steinbach und Schorte eine Schneidemühle zu betreiben, „so zum bretschneiden dienlichen.“ Die oberschlächtige Mühle wurde im gleichen Jahr unmittelbar neben diesem Felsen errichtet und mit dem Wasser des Steinbachs betrieben. Die Schneidemühle konnte aber „wegen des geringen waszers so den Steinbach herunter fleust nicht allzeit gangkhafft“ gehalten werden.

1597: Unter strengen Auflagen wird den Betreibern der Mühle erlaubt, auch Wasser der Schorte zu nutzen. So mussten u.a. die „... Dielschneider Jehrlich uff Michaelis ins Ambt Ilmenauw Zu Wasserzins erstatten Vier thaller ... und sollen auch die Dielschneider verbunden sein, Zu dem Martinröder stollenbauw alle Diele ohne entrichtung eines Muhl Zinszes scheiden Zulaszen.“

Das Dokument wurde von drei hohen hennebergischen und schwarzburger Würdenträgern unterzeichnet, denn es war
„... unstreitig, das Zwischen Hennebergk, und Schwartzburgk die Schorte jederzeit der rechte uralte grentzbach gewesenn...“ und zwar „...von der Dreyen Herren Stein ahn, Woselbst die Schorte entsprünge, und bis herunter in dem Ilmflusz fiele, ...uf der einen seiten Hennebergich, uf der anderen seiten aber Schwartzburgisch eigenthumb...“

1628: Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges zwingen die Besitzer zur Aufgabe ihrer Tätigkeit.

1648: Die Schneidemühle wird wieder instandgesetzt und weiter betrieben.

1816: Städtische Schneidemühle an der Schorte. Sie wurde auf der gegenüber liegenden Wiese, links des Steinbachs, errichtet. Ein etwa 200 m langer Mühlgraben führte dem Hüttenteich Wasser der Schorte zu. Dieser erhielt zusätzlich durch eine Rohrleitung Wasser vom Steinbach.

1878: Die Städtische Schneidemühle wird zur Voglersmühle. Hugo Vogler stammte aus Gillersdorf. Dort betrieb die Familie ein Fuhrunternehmen, das Geschäftsbeziehungen bis Hamburg pflegte. Deshalb wurden die Voglers über Generationen „Die Hamburger“ genannt. Um von den wechselnden Wasserständen unabhängig zu werden, wurde später eine aus England stammende Dampfmaschine eingesetzt.

1927: Umstellung auf Elektroantrieb. Über Holzmasten erfolgte die Stromzuführung

1963: Walter Ulbricht wird durch den Eigentümer Fritz Vogler mit den Worten: „Da kann doch nech e jeder remmgelaafe!“ aus der Schneidemühle gewiesen.

1972: Während eines schweren Sturmes knickten die in die Jahre gekommenen Masten. Der Energieversorger war nicht bereit, die Leitungen zu erneuern. Damit war das Ende des traditionsreichen Mühlenstandortes besiegelt.

1992: Einebnen der zerfallenden Mühle. Als letztes Zeugnis ist der Mühlgraben am Rande der Wiese, parallel zum Schorteweg, noch deutlich zu erkennen.

 

Autoren: Werner Greiner, Ilmenau und Bernd Kießling, Langewiesen 2010


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