Datum: 13.05.2020

Unterwegs ... zur Baumblüte

Wissen für die Westentasche

Im eigenen Garten oder auf Streuobstwiesen stehen sie gerade in voller Blüte: Die Kirsch-, Apfel- oder Pflaumenbäume verzaubern derzeit mit ihrer ganzen Blütenpracht. Aber wussten Sie, dass auch die Waldbäume blühen? „Es ist nicht immer leicht zu erkennen und fällt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht auf, aber auch Waldbäume blühen", schwärmt Annett Rabe, zuständig für Bildung für nachhaltige Entwicklung im Biosphärenreservat. Da derzeit wegen der Corona Krise keine Umweltbildungsprogramme stattfinden können, arbeitet Annett Rabe vor allem an Ideen für neue Entdeckertouren durch das Gebiet. Bis dies soweit ist, können Naturfreunde den Wald natürlich selbst entdecken.

Wald soweit das Auge reicht – dieser Eindruck entsteht zu Recht, denn die Wälder nehmen rund 83% im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald ein. „Und je nach Höhenlage können wir jetzt zum Beispiel die Blüte des Spitzahorns beobachten. Die gelblichen Blüten des Spitzahorns zeigen sich vor dem Blattaustrieb und sind in Doldenrispen angeordnet. In den tieferen Lagen sind seine Blüten schon von Blättern umringt, aber in den höheren Lagen bei 600 m oder 900 m haben wir Glück", erklärt Annett Rabe.

Das Gebiet des Biosphärenreservats erstreckt sich über einen Höhenbereich von 414 m ü. NN bis zu 982,9 m ü. NN (Großer Beerberg) und je nach Höhenlage und Klima blühen auch die Bäume zu unterschiedlichen Zeiten. „Auch das Alter der meisten Waldbäume spielt beim Blühverhalten eine Rolle. So braucht unsere heimische Weißtanne 60 bis 70 Jahre, bevor sie blüht. Ab Ende Mai bis in den Juni hinein können wir sie mit dem Fernglas im oberen Kronenteil sehen. Die männlichen Blüten sind walzenförmig, 2-2,5 cm lang und gelblich; die weiblichen Blüten stehen auf der Oberseite der Zweige, sind zylindrisch, 2,5-3 cm lang. Hieraus entwickeln sich die Zapfen. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind", so Annett Rabe.
Auch die Fichte blüht erst ab einem Alter von 40 Jahren im Wald und dann regelmäßig zwischen April und Mai alle 4 bis 7 Jahre. „Treten Sie mal ganz dicht ran, dann wehen einem die Blütenpollen um die Nase, Allergiker müssen sich vor der gelben Pollen-Schar nicht fürchten. Die Fichte gehört zu den windbestäubenden Pflanzen. Das heißt, sie muss eine immense Menge an Pollen produzieren, um die Bestäubung zu garantieren. Meistens sind Pollen, die so verteilt werden, sehr klein, da sie vom Wind übertragen werden müssen und nicht von Insekten", so Rabe. Die Pollen der Fichte haben allerdings eine große Struktur. Durch diese Größe kann der Blütenstaub den Allergikern nichts anhaben.
Die männlichen Blüten sind beim Aufblühen karminrot (purpurrot nach gelb verfärbend) und die weiblichen Blüten sind ebenfalls rötlich (hellrot bis gelbgrün), finden sich aber in den oberen Kronenregionen und sehen schon fast wie die zukünftigen Zapfen aus.

Tipp: Wer sich für Pflanzenbeobachtung und Klimaforschung interessiert, der kann gern dem Phänologischen Garten in Schmiedefeld am Rennsteig einen Besuch abstatten. Hier beobachtet Dr. Björn Machalett mit seinem Team auf 3000 Quadratmetern die Blüte, Fruchtreife und den Blattfall der Pflanzen– die phänologischen Phasen. Alles natürlich unter Einfluss von Witterung und Klima. Schauen Sie mal vorbei: Ortsausgang Schmiedefeld a. Rstg. Richtung Vesser auf der linken Seite.


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