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Datum: 20.08.2020

Im Totholz tobt das Leben

Wissen für die Westentasche

Moosbedeckt, saftiges Grün, kleine Höhlen und mit Pilzen bewachsen – Totholz erzeugt oftmals eine romantische Stimmung und ist ein beliebtes Fotomotiv. Was zunächst wie unberührte, wild-romantische Natur anmutet, ist noch viel mehr.

Totholz- ein wichtiger Lebensraum

Es klingt ungewöhnlich, doch Totholz ist eine wichtige Energiequelle und damit auch ein wichtiger Lebensraum für viele Organismen im Wald. „Wie der Name schon sagt, werden abgestorbene Bäume oder Teile der Bäume als Totholz bezeichnet. Es können stehende und liegende Bäume gemeint sein. Totholz kann z.B. durch Stürme, Insektenbefall oder Waldbewirtschaftung entstehen", erklärt Tiemo Kahl, zuständig für Forschung und Monitoring im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald.

Vor allem in den acht Kernzonen des Biosphärenreservats, die 3,1 % der rund 33.700 ha großen Fläche des Gebiets einnehmen, lässt sich die Bedeutung von Totholz sehr gut beobachten. Denn in diesen Gebieten wird die „Natur sich selbst überlassen". „Die Natur soll sich hier möglichst unbeeinflusst, also von jeglicher Nutzung sowie pflegenden oder lenkenden Maßnahmen unberührt, entwickeln", so Tiemo Kahl. Für das ruhige Naturerleben und in Verbindung mit Bildungsangeboten können die Kernzonen zugänglich gemacht werden. So führt etwa durch die größte Kernzone - Vessertal, Nahetal und Stelzenwiesengrund – der kürzlich eingeweihte so genannte Urwaldpfad Vessertal. Auf einer Strecke von rund 20 Kilometer lässt sich das „Leben im Totholz" beobachten. „Totholz ist ein wichtiger Lebensraum für Pilze und Insekten. Der tote Baum dient als Nahrungsquelle, Unterschlupf und für Vögel als Brutstätte. Der Siebenschläfer nutzt das Totholz auch als kuscheliges Winterquartier", beschreibt der Biologe.

Aber wieviel Totholz braucht der Wald? „Eine genaue Angabe lässt sich nicht machen. Häufig ist auch das dauerhafte Vorhandensein von Totholz über einen langen Zeitraum wichtiger als die Menge. Es gibt durchaus einen Interessenskonflikt zwischen Holznutzung und Totholzanreicherung in bewirtschafteten Wäldern. Auch wenn heute die Bedeutung von Totholz für die Biodiversität in Wäldern allgemein bekannt ist, so ist die Totholzmenge letztlich auch ein Ausdruck der Bedeutung des Rohstoffs Holz für den Menschen. Im sogenannten „hölzernen Zeitalter" bis zum 18. Jahrhundert hatte Holz eine überragende Bedeutung zum Heizen, Kochen, Schmieden, zur Verhüttung von Erz oder als Baumaterial. Die Ironie der Geschichte ist es, dass durch die Entdeckung fossiler Brennstoffe das Holz in seiner Bedeutung als Energieträger abnahm und sich so der Totholzanteil in den Wäldern langsam erhöhen konnte," beschreibt Tiemo Kahl.


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