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Gemeinsam anpacken für ein nasses Moor

Naturstiftung David und Bergwaldprojekt e. V. verschließen Entwässerungsgräben am Schmücker Graben – wichtiger Schritt für die Moorrenaturierung im Thüringer Wald

Schubkarren, Spaten und Hämmer statt schwerer Maschinen: Im Schmücker Graben unterhalb des Schneekopfes haben die Naturstiftung David und der Bergwaldprojekt e. V. zusammen mit 34 Freiwilligen in den vergangenen zwei Wochen wichtige Arbeiten für die Wiedervernässung des dortigen Moores durchgeführt. Gemeinsam verschlossen sie alte Entwässerungsgräben und schufen damit die Voraussetzung dafür, dass künftig mehr Wasser im Moor verbleibt.

Insgesamt errichteten sie 17 Sperrbauwerke aus Holzbohlen und verfüllten die Gräben anschließend mit einem Gemisch aus Sägemehl, Holzhackschnitzeln und Erde. Die Arbeiten wurden vollständig von Hand ausgeführt, um den empfindlichen Moorkörper zu schonen. Die quer zu den Gräben eingebauten Holzsperren halten Wasser zurück. Das eingebrachte Material soll den Wasserstand anheben und verbindet die beiden Geländeteile links und rechts der Gräben hydrologisch miteinander.

Das Moor im Schmücker Graben ist mit rund 2,8 Hektar eines der größeren Moore im Mittleren Thüringer Wald. Über Jahrzehnte wurde es durch Entwässerungsgräben und unterirdische Brunnenanlagen trockengelegt. Hinzu kam seit den 1950er-Jahren ein dichter Fichtenbestand, der dem Moorkörper zusätzlich Wasser entzog.

„Moore gehören zu den empfindlichsten Lebensräumen unserer Landschaft. Mit der Wiedervernässung schaffen wir die Grundlage dafür, dass dieses Moor seine natürlichen Funktionen langfristig wiedererlangen kann. Dass uns dabei so viele Freiwillige tatkräftig unterstützen, ist ein großer Gewinn für unser Naturschutzgroßprojekt“, sagt Martin Schmidt, Projektleiter bei der Naturstiftung David.

Lutz Rohland, Projektleiter des Bergwaldprojekt e. V., ergänzt: „Wer eine Woche lang knietief in einem jahrtausendealten Moor gearbeitet und mit eigenen Händen etwas bewegt hat, blickt danach anders auf Moore – und auf Natur insgesamt. Das unmittelbare Erleben, wirklich etwas verändern zu können, bleibt: Es motiviert viele Teilnehmende, ihren Alltag bewusster und naturverträglicher zu gestalten.“ Die Einsatzwochen wurden von Bildungsarbeit und Exkursionen begleitet und dadurch die durchgeführten Arbeiten in einen größeren Umwelt- und Nachhaltigkeitszusammenhang gesetzt.

Auch ThüringenForst unterstützt die Renaturierung des Moores: Bereits im Herbst 2025 hatte das Forstamt Oberhof auf eigene Initiative und Kosten den Fichtenbestand aufgelichtet und damit wichtige Voraussetzungen für die weitere Renaturierung geschaffen. Langfristig soll im Schmücker Graben wieder ein lichter Moorwald entstehen. Bei den aktuellen Arbeiten stellten Revierleiter Ronny Eckhardt und sein Team unter anderem große Mengen Holzhackschnitzel
bereit und halfen bei verschiedenen logistischen Herausforderungen vor Ort.

Von der Wiedervernässung profitieren typische Moorpflanzen – allen voran die Torfmoose – und hochspezialisierte Tierarten wie die Torf-Mosaikjungfer ebenso wie der umliegende Wald. Ein intaktes Moor kann große Mengen Wasser speichern, bei Starkregen den schnellen Abfluss ins Tal bremsen und Kohlenstoff im Torf binden. Damit leisten Moore einen wichtigen Beitrag zum Wasserhaushalt und zum natürlichen Klimaschutz der Region.

Schritt für Schritt zu einem intakten Moor
Die jetzt abgeschlossenen Arbeiten sind Teil umfassenderer Maßnahmen für die Wiedervernässung im Schmücker Graben im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Bäche, Moore und Bergwiesen im Thüringer Wald“ − verantwortet von der Naturstiftung David. 
 

Als nächster Schritt sollen die unterirdischen Brunnenanlagen untersucht und die Maßnahmen für ihren Rückbau vorbereitet werden. Ab 2027 ist deren schrittweiser Rückbau sowie der Verschluss weiterer oberirdischer Entwässerungsgräben vorgesehen. 

Das Naturschutzgroßprojekt wird im Programm chance.natur von Bund und dem Land Thüringen gefördert. Bis 2035 sollen im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald bis zu 75 Waldmoore renaturiert, das gesamte Gewässernetz naturnah entwickelt und der langfristige Erhalt von rund 1.500 Hektar Bergwiesen gesichert werden.


Zum Bergwaldprojekt e. V.
Das Bergwaldprojekt organisiert seit mehr als 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, Moor und in Offenlandschaften. 2026 bringt der Verein mit seinen Einsatzwochen in Deutschland ca. 5.000 Freiwillige in die Natur. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren, den beteiligten Freiwilligen die Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und daran mitzuarbeiten, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nachhaltiger zu gestalten. Eine Zusammenarbeit mit der Naturstiftung David ist auch für zukünftige Maßnahmen geplant.

Weitere Informationen:
• zum Naturschutzgroßprojekt: www.naturstiftung-david.de/thueringerwald
• zum Bergwaldprojekt e. V.: www.bergwaldprojekt.de
• zum Moor und der Renaturierungsmaßnahme: Maßnahmensteckbrief

Pressekontakt:
Naturstiftung David, Melanie Kleinod, Teamleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0361 710 129-22,
presse@naturstiftung-david.de

Verfüllung mit einem Gemisch aus Holzhackschnitzeln, Sägemehl und Erde © Naturstiftung David, Fotomontage: Franziska Rauch
Einbau eines Sperrbauwerkes aus Holzbohlen in einen Entwässerungsgraben © Bergwaldprojekt e. V., Foto: Eduard Fischer
Mit Schubkarren und Eimern gelangten die Materialberge ins Moor © Naturstiftung David, Fotomontage: Franziska Rauch
Luftbild: Fertiger ca. 10 m langer Grabenverschluss und die Freiwilligen der ersten Einsatzwoche © Bergwaldprojekt e. V., Foto: Eduard Fischer
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