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Pilzkartierung im Biosphärenreservat liefert Sensation: Zehn Erstnachweise für Thüringen

Im Spätherbst startete das UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald gemeinsam mit dem Pilzsachverständigen Jesko Kleine eine Pilzkartierung in ausgewählten Bereichen der Kernzonen des Biosphärenreservats. Die Erfassung konzentrierte sich auf Probeflächen in den Bereichen Jüchnitzgrund, Marktal/Morast und Vessertal. Hier sind Buchenwälder, Bergmischwälder und Fichtenwälder vorherrschend. Im Blick des Experten standen vor allem Pilze an Totholz, die Xylobionten, und die bodenbewohnenden Pilze, die Terricolen. Ziel der Kartierung war es, die Artenvielfalt im Gebiet zu dokumentieren. Auf den Untersuchungsflächen wurden insgesamt 616 Pilzfunde aufgenommen und diese 242 Arten zugeordnet. 

 „Pilze sind wichtige Bausteine des Ökosystems. Sie spielen eine entscheidende Rolle als Zersetzer und Mykorrhizapartner im Nährstoffkreislauf und sind Indikatoren für Umweltveränderungen. Die Erfassung hilft uns, perspektivisch den Zustand der Wälder bestimmen zu können“, betont Dr. Tiemo Kahl, zuständig für Forschung und Monitoring im Biosphärenreservat.  

Für die Kartierung wurden Probeflächen in Form eines jeweils 1.000 Quadratmeter großen Kreises gewählt. 

Erfasst wurden Informationen zur Geländebeschaffenheit, zu den geologischen Verhältnissen sowie zur Vegetation und deren Zustand, zum Beispiel zum Totholzanteil. Zur Erfassung der Pilze wurden zudem auf den Probeflächen der Boden und stehendes und liegendes Totholz systematisch nach Pilzfruchtkörpern abgesucht.

„Zur Erfassung sehr kleiner Fruchtkörper wurden an mehreren Stellen der Probeflächen Stichproben von liegendem Totholz sowie der Laub- und Nadelstreu mit der Handlupe abgesucht. Soweit keine Bestimmung vor Ort möglich war, wurden Stichproben aufgenommen und im Anschluss zwecks Artbestimmung mit mikroskopischen und makro- und mikrochemischen Methoden untersucht“, beschreibt Pilzexperte Jesko Kleine die Vorgehensweise.

10 für Thüringen neue Arten entdeckt

Zu den seltenen Funden gehören beispielsweise folgende Arten: Nadelholz-Zwergseitling (Resupinatus striatulus) und Umberbrauner Mürbling (Psathyrella umbrina).

„Gemäß Auswertung der Datenbank der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM 2025) wurden 10 Arten erstmals in Thüringen festgestellt und weitere 10 Arten sehr selten in Thüringen beobachtet. Bislang waren insgesamt 36 Arten im Thüringer Wald noch nicht oder nur sehr selten beobachtet worden“, freut sich Jesko Kleine. 

Fleischroter Gallertbecher (Ascocoryne sarcoides), ein im Spätherbst typischer saprophytischer Schlauchpilz auf diversen Laubhölzern. Foto: Jesko Kleine
Silberstieliger Wasserkopf (Cortinarius tortuosus) im anmoorigen Fichtenwald am Dreiherrenstein. Die für Thüringen letztmalig im Jahr 2007 gemeldete Art ist im Bundesland nur aus diesem Gebiet bekannt.
Pilzexperte Jesko Kleine bei der Pilzbestimmung. Foto. T. Kahl
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